Quelle: www.medicine.at

Biographie von

Friedrich Janus

* 5. März 1875 in Ernsdorf bei Reichenbach (Schlesien)

8. April 1952 in London

Wenn wir den großen, bedeutenden Medizinern gedenken, müssen wir auch die weniger beachteten Helfer nennen,
denn ohne deren Tätigkeit wären viele ärztliche Erfolge kaum möglich gewesen. Einer jener Helfer ist der heute
vergessene Friedrich Janus - vielleicht noch Fachleuten als innovativer Entwickler auf dem Gebiet der Röntgentechnik
bekannt. Janus war es, der in Deutschland Pionierarbeit auf dem Gebiete der Hochspannungs-Gleichrichterapparate
leistete und damit die Tiefentherapie der 1920er bis 40er Jahre mittels Röntgenröhren überhaupt ermöglichte, und
letztlich somit auch die ab den 30er Jahren begonnene Entwicklung hochenergetischer Beschleuniger für die
Strahlentherapie maßgeblich beeinflusste.

Im Jahre 1889 begann Friedrich Janus in Breslau bei der Firma Meinecke eine Lehre als Mechaniker. Aufgrund
seiner überragenden technisch-wirtschaftlichen Fähigkeiten betraute man ihn direkt nach der Ausbildung die Leitung
einer großen Werkstatt für elektrische Apparate an. Zur theoretischen Weiterbildung besuchte Janus nebenher einen
Ingenieurkursus am Technikum Mittweida in Sachsen. 1898 ging Janus nach Berlin zur AEG, wo er eine Ingenieurstelle
erhielt, an der er kurz darauf den ersten Drehfeld-Fernanzeiger für den Schiffseinsatz konstruierte, worauf er mit
der Leitung der Messinstrumente- und Apparateabteilung betraut wurde.

Im Jahre 1901 ging Friedrich Janus nach Erlangen, wo er den Aufbau und die Leitung der Röntgenabteilung bei
der Firma Reiniger, Gebbert & Schall (die 1924 zur Siemens & Halske AG kam) übernahm. Hier kam Janus erstmals
in Kontakt mit Medizinern und Röntgenologen sowie den diagnostisch-therapeutischen Möglichkeiten der am
8. November 1895 von Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) entdeckten gleichnamigen ionisierenden Strahlen.
Gleichzeitig war damit der künftige berufliche Lebensweg Janus´ vorgezeichnet. Von nun an widmete er sich vor allem
der Lösung des Problems zur Erzeugung hoher und stabiler Gleichspannungen, die für den medizinischen Einsatz von
Röntgenröhren in der Diagnostik und noch viel mehr in der Therapie Voraussetzung sind.

1920 ging Friedrich Janus zurück nach Berlin-Siemensstadt, wo er bei der Siemens & Halske AG als
Chefkonstrukteur und Leiter der Röntgen-Entwicklungslaboratorien betraut wurde. In dieser Zeit entwickelte Janus
die Grundlagen zum Einsatz der damals hochmodernen Glühkatodenröhre und Transformators als Hochspannungs-
gleichrichter sowie -stabilisator als Ersatz der bis dahin verwendeten mechanischen Hochspannungserzeuger.
Über vier Jahrzehnte lang, von 1922 an, produzierten Siemens bzw. die Siemens-Reiniger-Werke diesen Hochspannungs-
Gleichrichterapparat unter der Bezeichnung "Stabilivolt"-Röntgengenerator serienmäßig und
begründeten damit erfolgreich die Tiefentherapie mit Röntgenröhren. Die bei dieser Behandlungsart tief im
Körperinnern liegender Krankheitsherde, meistens bösartige Geschwülste, verwendeten Röhrenspannungen lagen
oberhalb 180 kV = 180 000 Volt. Erst der medizinische Einsatz von Kreisbeschleunigern Anfang der 1960er Jahre
und der Linearbeschleuniger ab Mitte der 1980er Jahre beendete allmählich den Einsatz von Röntgenröhren in der
Onkologie.

1924 übernahm Janus die Leitung der neu gegründeten Medizinischen Werkstätten in München, deren Alleininhaber
er 1941 wurde. Infolge von Kriegseinwirkungen verlor er Mitte 1944 diesen Betrieb und begründete ihn nach
Kriegsende in Landau an der Isar neu.

Friedrich Janus war ein Pionier der auf dem Gebiete der Hochspannungserzeuger in der Röntgentechnik; darüber
hinaus hat er eine Reihe technischer Zusatzeinrichtungen, wie zum Beispiel ein bis in die 1970er Jahre verwendetes
Dosimeter, entwickelt. Das wissenschaftlich-medizinisch-technische Werk Janus´ umfasst nahezu 90 Fach-
publikationen und einige philosophische Abhandlungen. Janus - der Nichtmediziner - war Ehrenmitglied der
Bayerischen Röntgenvereinigung, korrespondierendes Mitglied der Deutschen Röntgengesellschaft, Inhaber der
ersten Röntgen-Plakette und Ehrenbürger der Stadt Landau. Aufgrund von Strahlenschäden, die er sich bei
seinen frühen Experimenten mit Röntgenstrahlen zugezogen hatte, starb er, wie viele Pioniere der Röntgenologie,
an den Folgen einer Tumor-Kachexie.
 

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