Herkunft und Ursprung des Familiennamen Janus

Allgemeine Namensbildung

Die Familiennamen bildeten sich, als die Bevölkerung so stark anwuchs,
daß der Vorname mit Zusatz des Herkunftsortes nicht mehr ausreichten,
um die Personen eindeutig zu unterscheiden.
Die Entwicklung der Familiennamen setzte in den westlichen Regionen
Deutschlands im 15. Jahrhundert  verstärkt ein und erreichte im
16. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts war
dort die Entwicklung so weit abgeschlossen, daß nur noch wenige keinen
festen Familiennamen führten.
Weil es keine einheitliche Rechtschreibung gab und auch nur wenige Lesen
und Schreiben konnten, änderten sich die Schreibweisen der Nachnamen
oft nach Hörensagen bis hin zur Unkenntlichkeit des eigentlichen Ursprungs.

Die Nachnamen bildeten sich hauptsächlich aus
- der Wohnstätte, z.B. Bach, von der Weiden, Jülich, Baum, Linden etc.
- dem Beruf z.B. Müller, Bäcker, Bauer, Baumeister, Förster, Schmidt
   (von Schmied) u.s.w.
- den Standesbezeichnungen Kellner, (Burg-)Graf, (Gerichts-)Schreiber,
   Ritter, Junker, Pfaff, Kämmer(ling), Vogt, Schultheis ...
- den Vornamen des Familienoberhaupts Tönnes (von Anton), Wilhelms,
  Jakobs, Conrads etc.
- den körperlichen und charakterlichen Besonderheiten wie Klein, Groß,
  Klug, Mann, Lang(e), Kühn u.v.m.

Auch regionale Zusätze und umgangssprachliche Wandlungen sind häufig
wie Urbansky (slawisch, von Urban), Eberle (schwäbisch, von Eberhardt),
Grothe (niederdeutsch, von Gross) und Hansson (skandinavisch, Sohn des
Hans).
 

Bildung des Familiennamen Janus

Der Familienname Janus ist eine Abwandlung des Vornamens Johann.

Es gibt zwei herkunftsbedingte Hauptstämme.

Der Eine stammt aus dem slawischen Raum mit den vielen Varianten
wie z.B. Janusch, Janusz, Janosch, Januschewitsch und vielen mehr.

Der Zweite ist eine latinisierte Form und entwickelte sich anscheinend
in der Mitte des 16. Jahrhunderts während des Höhepunkts im
Humanismus in Deutschland und später aus dem Namen "Jahn" (s.u.).

Eine genaue Zuordnung ist heute kaum mehr möglich. Das liegt an den
ständigen Bevölkerungsbewegungen der letzten Jahrhunderte.
So stammen viele "Janus" aus den ehemals ostdeutschen Provinzen und
sind zum Teil entweder nach den Weltkriegen vertrieben worden oder
bereits vorher z.B. nach Nordamerika ausgewandert.
So sind auch Familiennamenträger sicher auch von Deutschland Richtung
Osten gezogen, z.B. während der aktiven Besiedelungspolitik Friedrich
des Großen und der Maria Theresia von Österreich.

Weitere, große Namensstämme von "Johann" und "Hans" sind Jansen,
Jensen, Jahn(s), Jähn, Jens, Janz, Jähnel, Jähnig und auch Hansen, Hensen,
Hensel, Hänseling, Hansmann u.v.m..

Ein Bezug zum römischen Gott "Janus" ist unbewiesen und wohl reine
Phantasie. Sonst würde unser Name auch in Italien häufiger vorkommen.
Nach mündlicher familiärer Überlieferung soll auf den größeren Nadeln
meines Vorfahren, des Nadlermeisters Christoph Janus und seiner Verwandten,
die ebenfalls Nadler waren, ein zweigesichtiger Januskopf abgebildet
gewesen sein, ein sogenanntes Mirken. Leider konnte ich bisher kein
Exemplar ausfindig machen.

Ein Wappen mit dem Januskopf stammt von Hofrat Andreas Christoph Jahns,
gestorben am 3.5.1712 in Celle. Es zeigt im Schild den Januskopf, das
nach rechts gewendete Gesicht ist bärtig. Der Helm besteht aus drei
nach unten zusammengesetzten Eichenzweigen mit je einer Eichel und
zwei Blättern (Siebmarschener Wappenbücher, Bürgerliche Band 5, Seite
40, Tafel 48, siehe auch Fragmente Niedersachsen).

Der älteste, bisher ausfindig gemachte Namensträger ist
Rudolf Hermann von Janus, genannt 1482 in der "Gotha Diplomatica".
Er und seine Nachfolger besaßen seit 1494 Groß-Gottern, 1516 Schönstedt
bei Langensalza und im Gothaischen 1540 Hochheim und 1635 Eberstedt (siehe
auch Fragmente Sachsen, Quelle: Neues deutsches Adelslexikon).
Sein Wappen ist im Armorial Gènèral Riestap, Tome 1 aus dem Jahr 1884
abgebildet (siehe Hauptseite, rechtes Wappen).

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